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Ulrich Hottelet
Freier Journalist

(Interview im Handelsblatt, Januar 2003)

Stil-Fragen an Leo Busch
(Nachrichten-Moderatorin bei n-tv, 1999 Gewinnerin des Deutschen Fernsehpreises)

  1. Wie würden Sie Ihren persönlichen Stil beschreiben?
    Ich weiß nicht, ob ich einen persönlichen Stil habe. Ich würde im Moment sagen, er ist durcheinander. Gefunden habe ich ihn noch nicht und ich weiß nicht, ob ich es jemals schaffen werde.
  2. Welchen Wohnstil bevorzugen Sie?
    Es ist ein home-made Wohnstil, ein Mix aus vielen Dingen, die ich gefunden habe, die mir gefallen haben, an denen ich aber auch viel selber gemacht habe. Ich habe zum Beispiel zwei Nachttischlampen mit Papierschirmen und die habe ich vollkommen mit Federn von einer Kissenschlacht beklebt.
  3. Wie würden Sie Ihren Moderationsstil charakterisieren?
    So klar wie möglich und immer mit dem Versuch einzuordnen. Vor allem will ich vermeiden, eine Art Beamtendeutsch, Behördendeutsch oder Agenturdeutsch zu übernehmen. Ich versuche eigentlich, Alltagssprache rüberzubringen.
  4. Welchen Stil bevorzugen Sie bei Männern?
    Ob Männer oder Frauen: Ich bevorzuge Menschen, die sie selbst sind und da keine Kompromisse machen. Das finde ich eine Art Stil.
  5. Was bedeutet Schönheit für Sie?
    Ich halte Schönheit für wichtig. Ich mag Symmetrie sehr gerne. Das ist für mich ein wesentliches Merkmal von Schönheit.
  6. Was empfinden Sie als stillos?
    Nicht die weißen Socken in den Turnschuhen, sondern wenn man jemand anmerkt, dass er, um etwas zu erreichen, etwas aufsetzt oder sich verkleidet.
  7. Was darf auf keinen Fall fehlen, wenn Sie auf Reisen gehen?
    Mein Hund, ein Schäferhundmischling, und dessen Schlaffell. Und weil ich das Licht in Hotelzimmern meist grausig finde, habe ich immer Teelichter dabei. Das ist Teil meiner romantischen Ader.
  8. Auf welches Markenprodukt möchten Sie nicht mehr verzichten?
    Cola light. Ich glaube, ich bestehe zu zwei Dritteln aus Cola light. Das ist übrigens auch die einzige Firma, bei der ich Spaß hätte, PR zu machen. Und ich bin extrem vorsichtig in dieser Hinsicht. Aber da ich wirklich mit Cola light halb gesäugt worden bin, glaube ich, müsste ich dazu stehen. Früher war es Cola, inzwischen nehme ich zugunsten meines Jobs Light.
  9. Wie lautet Ihr größter Wunsch für die Zukunft?
    Gelassenheit. Das ist mein größter Wunsch, den ich leider schon seit über 18 Jahren habe. Als mein Vater mich mal fragte, was wünschst du dir eigentlich für die Zukunft und ich sagte mit 16: "Ich möchte gern gelassen sein", da war er entsetzt, weil er mit Gelassenheit eine Form von Resignation gleichsetzt. Das sehe ich nicht so. Man kann sich für etwas begeistern und trotzdem dabei gelassen sein.
  10. Und das erreicht man mit Cola light?
    (lacht). Verdammt gute Frage! Vielleicht sollte ich das Produkt wechseln?
  11. Was wäre für Sie die Krönung Ihrer Karriere?
    Wenn ich mir ein Team von zehn Leuten so zusammenstellen könnte, wie ich es mir wünsche. Das hat nichts damit zu tun, ob man vor oder hinter der Kamera ist, sondern damit, dass man in einem tollen Team, mit dem es Spaß macht zu arbeiten, ein Produkt herstellen kann. Ob es eine Talk-Sendung, eine Nachrichten-Sendung oder ein Mittags-Magazin ist, spielt dabei keine Rolle. Ich glaube, dass das Wichtigste in unserem Leben ist, mit interessanten Menschen arbeiten zu dürfen.
  12. Sind Sie Romantikerin?
    Ja, definitiv ja! Gott sei Dank habe ich noch genügend Pragmatismus in mir drin, um das an mancher Stelle stoppen zu können, dass es nicht zu sehr ausufert. Ich weiß zum Beispiel immer, wann Vollmond ist. Es ist in Berlin schwer zu spüren, aber ich weiß es und ich achte auch darauf.
  13. Welche Musik hören Sie zu Hause?
    Alles durcheinander. Latino, zum Beispiel Manu Chau. Er hat angefangen auf der Straße zu musizieren und reist nun viel durch Lateinamerika und mixt verschiedene Stile aus der Region. Außerdem Portishead und Mainstream-Jazz von Diana Krall. Ich höre auch sehr gerne Geräusche. Es gibt fantastische Aufnahmen von verschiedenen Arten von Grillen. Das ist unglaublich, was für verschiedene Geräusche die machen.
  14. Sammeln Sie etwas?
    Nein, ich unterscheide die Menschen in Aufheber und Wegschmeißer. Ich bin ein Wegschmeißer.
  15. Was ist Ihr liebstes Reiseziel und warum?
    Mein liebstes Reiseziel ist immer und immer wieder der Regenwald. Ich liebe dieses satte Grün, den Regen und die Feuchtigkeit. Das ist für mich der Inbegriff der Lebendigkeit. Ich bin überhaupt kein Wüstenmensch - schrecklich. Ich finde, der Regenwald führt einem vor Augen, dass sich alles in einem Kreislauf befindet. Das klingt vielleicht ein bisschen esoterisch, aber da geht es am schnellsten. Während die einen Pflanzen absterben, wachsen die anderen schon wieder aus ihnen heraus. Das finde ich immer eine ganz gute Erkenntnis, sich selber nicht so wichtig zu nehmen.
  16. Wer war Ihr liebster Comic-Held in der Kindheit?
    Der kleine osteuropäische Maulwurf, den man hier nicht verstanden hat. Der war immer in der "Sendung mit der Maus". Der war toll und war so liebenswert. Mich hat unheimlich fasziniert, dass es unter der Erde so nette Tierchen gibt.
  17. Was ist Ihre Lieblingsfernsehsendung?
    Die Sendung mit der Maus. Ich bin momentan am Überlegen, dass man ganz dringend eine Sendung mit der Maus für Erwachsene machen müsste. So gut wie da erklärt wird, bekommt man es sonst nicht erklärt. Es ist immer wieder verblüffend, was man alles nicht weiß. Ich frage mich nur die ganze Zeit, wie die erwachsene Maus aussieht. Man könnte sie ergrauen lassen oder ihr eine Lesebrille aufsetzen. Sie müsste aber nach wie vor den Mut haben zu sagen, dass sie von einer Menge Dinge nichts versteht.
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