(FHM, September 2002)
Online-Erotik-Anbieter geben sich seriös
Stell dir vor, es gibt Sex und keiner surft hin. Den Eindruck kann man bekommen, wenn man verfolgt, was über Online-Shopping und e-Business alles geschrieben wird. Obwohl die Umsätze mit Online-Erotik erkleckliche Summen ausmachen, verliert die Wirtschaftspresse kaum ein Wort über die zahllosen Erotik-Seiten im Internet.
Den schwarzen Schafen der Branche - und derer gibt es viele - kann das nur recht sein. Sie können munter weiter mit Abzock-Dialern die Internet-Nutzer schröpfen, gegen Jugend- und Datenschutzvorschriften verstoßen, Adressen mit Spammails fluten oder ihre Kundschaft mit Pop-up-Gewittern und Exit-Fenstern nerven: Im Dunkeln ist's gut munkeln, das Licht der Öffentlichkeit scheint anderswo. Und da zudem kaum ein Zeitgenosse offen zugeben mag, dass er die einschlägigen Seiten aufsucht, brauchen derlei unseriöse Anbieter Justizias Mühlen nicht zu fürchten, denn wo kein Kläger, da kein Richter.
Diesem Treiben will nun eine Initiative von "seriösen" Erotik-Anbietern Einhalt gebieten. "Adult Webmaster Netzwerk" nennt sich der Zusammenschluss, der dem Schmuddelimage den Kampf angesagt hat. Torsten Wenzel, Initiator des AWMN, erklärt: "Wir wollen nicht losziehen und Konkurrenten fertig machen, sondern informieren, worauf man als Webmaster achten muss. Häufig sind es ja Schüler, Studenten und Umschüler, die nach dem Motto ,Sex sells' die schnelle Mark machen wollen, sich aber nicht auskennen. 90 Prozent der Erotik-Anbieter stehen immer mit einem Bein in der Illegalität."
Demnächst will sich das AWMN offiziell als Verein unter dem Namen "Interessengemeinschaft europäischer Webmaster" gründen. Die Ziele sind weit gesteckt: Sogar als gesetzlich vorgeschriebener Jugendschutzbeauftragter will man für die Mitglieder fungieren. Außerdem sollen Rechtsschutz und Aufklärung geboten werden. Angesichts des Regelungswusts der einschlägigen Vorschriften müssten unbedarfte Webmaster Torsten Wenzel eigentlich die Tür einrennen. Momentan hält sich der Ansturm allerdings in Grenzen. Gerade einmal neun Sites sind derzeit bei AWMN registriert. Wenzel gibt sich gelassen: "Wenn erst die Vereinssatzung ausgearbeitet ist, legen wir werbemäßig richtig los. Playboy.de hat schon angerufen und sich für uns interessiert." Spammer sollen künftig nichts mehr zu lachen haben: Wer sich von der Elektropost diverser Susis mit 0190-Rufnummern belästigt fühlt, kann sich an das AWMN wenden.
